MALEREI

Walter Dahn

Max Frintrop

Béla Pablo Janssen

Mike Meiré

15.04.–27.04.2015

neonoto.com

NEO NOTO, Lichtstrasse 26–28,
Backyard, Köln-Ehrenfeld

Vernissage:
WED, 15.04.15, 6–11 pm
Opening Hours:
MO–SUND: 12–6 pm

Finissage:
MO, 27.04.15, 7–9 pm
Talk:
Walter Dahn / Mike Meiré

MALEREI: Out of the blue into the black
Walter Dahn, Max Frintrop, Béla Pablo Janssen and Mike Meiré

Cologne, April 16, 2015
Ever since Malewitsch installed a black square on a white background in the top corner of a room in the Dobytschina Gallery in St. Petersburg in December 1915 – in the place where a Russian icon would usually be found – painting suddenly seemed to be have been liberated from all its historic burden. The static of depiction was opened up and the age of painting as a statement had begun

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100 years later, it is evident that the insecurity which went hand-in-hand with this apparent liberation has not yet abated. Numerous exhibitions have tried in vain to recast painting as a medium in the 20th or even the 21st century, and just as many manifestos have prematurely proclaimed the end of painting since back then.

Even today in the post-post era, it is difficult to free oneself from the res­er­va­tions which bright curators have stirred up before this supposedly traditional medium. I sometimes wonder whether it might not be time for painting to step forth from the long shadow of the supreme discipline of academic genres and for us to regard it as what it still is today:

An opportunity to make a statement.

The four artists Walter Dahn, Max Frintrop, Béla Pablo Janssen and Mike Meiré, who we are presenting from April 16 to 23 in the factory of NEO NOTO in the exhibition entitled MALEREI, do not focus on painting as such. Instead, they use the possibilities offered by the medium to lend the subjective de­pic­tions they have in mind a certain hold. This hold, still provided by the genre MALEREI, is helpful for both the recipient, who finds easier access to what he or she is seeing, as well as for the artist him- or herself, as it reveals a way out of the solipsistic darkness.

Painting today is a vessel which each painter fills in his or her own way. Reducing it to a technical/formal definition without claim to absoluteness is not a task with higher aims. Instead, it enables a positive, forward-looking energy to unfold, which makes me think of the song “Out of the Blue”, written by Neil Young in 1979 at a time when the success of Punk music made Rock’n’Roll seem obsolete:

Hey hey, my my,
Rock and roll can never die
There’s more to the picture
Than meets the eye.
Hey hey, my my.

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MALEREI: Out of the blue into the black
Walter Dahn, Max Frintrop, Béla Pablo Janssen and Mike Meiré

Köln, 16. April 2015
Seit Malewitsch im Dezember 1915 ein schwarzes Quadrat auf weißem Grund schräg oben in der Raum Ecke der Dobytschina Galerie in Sankt Petersburg installierte – dort, wo gewöhnlich eine russische Ikone ihren Platz hatte – schien die Malerei mit einem Schlag von allem historischen Ballast befreit zu sein. Die Statik des Abbildens war aufgebrochen und das Zeitalter der Malerei als Behauptung hatte begonnen.

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100 Jahre später lässt sich feststellen, dass die mit der ver­meint­lichen Befreiung einhergehende Verunsicherung immer noch nicht abgeklungen ist. Unzählige Ausstellungen haben sich vergeblich an der Frage versucht, Malerei als Medium im 20. oder auch 21. Jahrhundert neu zu fassen, und genauso viele Manifeste haben seit damals voreilig das Ende der Malerei proklamiert.

Auch heute in der Post-Post Ära kann man sich nur schwer von den Berührungsängsten befreien, die aufgeweckte Kuratoren vor diesem ver­meint­lich überkommen Medium geschürt haben. Ich frage mich manchmal, ob es nicht an der Zeit ist, dass die Malerei aus dem langen Schatten einer Königsdisziplin der akademischen Gattungen heraustritt und wir sie als das betrachten, was sie auch heute immer noch ist: Eine Möglichkeit der Behauptung.

Den vier Künstlern Walter Dahn, Max Frintrop, Béla Pablo Janssen und Mike Meiré, die wir vom 16.–23. April in der Factory von NEO NOTO unter dem Ausstellungstitel MALEREI zeigen, geht es nicht um die Malerei als solche, sondern sie benutzen die Möglichkeiten dieses Mediums, um ihren subjektiven Darstellungsabsichten einen gewissen Halt zu verschaffen. Dieser Halt, den die Gattung MALEREI immer noch verleiht, ist hilfreich sowohl für den Rezipienten, der leichter einen Zugang zu dem Gesehenen findet, als auch für die Künstler selbst, denen er einen Weg aus der solipsistischen Dunkelheit weist.

Malerei heute ist ein Gefäß, das jeder auf seine Weise füllt. Die Reduktion auf eine technisch-formale Definition ohne Absolutheitsanspruch bedeutet keine Aufgabe höherer Ziele. Vielmehr kann sich durch diese Reduktion eine positive, nach vorne gerichtete Energie entfalten, die mich an den Song „Out of the Blue“ denken lässt, den Neil Young 1979 zu einem Zeitpunkt schrieb, als der Erfolg der Punk-Musik Rock’n’Roll als obsolet erscheinen ließ:

Hey hey, my my,
Rock and roll can never die
There’s more to the picture
Than meets the eye.
Hey hey, my my.

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Text PHILIPP FIGGE

Walter Dahn

Malerei – exhibition view

Malerei – exhibition view

Malerei – exhibition view

Malerei – exhibition view

Malerei – exhibition view

Malerei – exhibition view

MALEREI Exhibtion – Vernissage

MALEREI Exhibtion – Vernissage

MALEREI Exhibtion – Vernissage

MALEREI Exhibtion – Vernissage

MALEREI Exhibtion – Vernissage

MALEREI Exhibtion – Vernissage

MALEREI Exhibtion – Vernissage

MALEREI Exhibtion – Vernissage

Artists

Walter Dahn

Walter Dahn (*1954)

Der frühere Beuys Schüler legte mit seiner wilden Malerei der frühen 80er Jahre den Grundstein der Bad Painting Bewegung. Die Siebdrucke, die seit 2014 in der Factory entstanden sind für Dahn eine logische Fortsetzung seiner Malerei. Die Drucke werden von ihrem Kolorit gehalten, der Melodie ihrer Linienführung, der Balance ihrer Farbflächen, von ihrem leisen Humor und ihrer inhaltlichen Verdichtung. Sie sind bildliche Emanationen eines gelebten Lebens.

Max Frintrop

Max Frintrop (*1982)

Die Gemälde von Max Frintrop wirken direkt. Sie erscheinen als un­mittelbare abstrakte Manifestationen des Autors. Man könnte sie auch als großformatige Tags lesen, die das Territorium des Künstlers markieren.
Doch sind Frintrops Arbeiten alles andere als schnelle, expressive malerische Ausrufezeichen. Vielmehr legt Frintrop großen Wert auf eine präzise Komposition der Farben und einen kontrollierten malerischen Duktus. Durch klare dicke Striche lässt er reduzierte Formen entstehen, die sich durch ihre Farbigkeit und Überschneidungen im Bildraum zueinander positionieren und darüber hinaus verweisen.

Béla Pablo Janssen (*1981)

Die neue Serie MA CHÈRE AMIE, LE SOLEIL SE LÈVE DERRIÈRE L’ABSTRACTION, V–XVII von Béla Pablo Janssen ist nur augenscheinlich Malerei. Ja, es gibt Farbe auf Leinwand mit Kreidegrund, sogar Momente von Sonnen­aufgängen, doch das ist nur die Oberfläche oder gar der Rahmen? Béla Pablo hat in seine Leinwände verglaste Bilderrahmen in ungleichmäßigen, geometrischen Formen eingesetzt. Hinter dem reflektierenden Glas zeigt er Malgrund oder Sieb­drucke von abgerissenen Postern auf Leinen. Dieses Nebeneinander von ehemals hierarchisch geordneten Bildelementen stellt Fragen nach der Bedeutung, Funktion und Relevanz von Farbe, Leinwand, Bildrand, Oberfläche, Zeichnung, Abbildung, Originalität und Reproduzierbarkeit ohne sie beantworten zu wollen und vor allem ohne ihre grundsätzliche Bedeutung zu negieren.

Mike Meiré

Mike Meiré (*1964)

Mit den Reifen Bilder erschließt sich Mike Meiré nach Skulpturen, Drucken, Fotografie, Zeichnungen, Installationen und Performances ein neues Medium: die Malerei. Auf groß­formatigen, teilweise ungrundierten Leinwänden sind kreisförmige Muster mit unscharfen Umrissen und changierender Farbdichte zu sehen. An manchen Stellen verdichten sich die Spuren zu dicken Schlieren, die den Herstellungs­prozess sichtbar machen. Meirés Gemälde sind keine Malerei im klassischen Sinn, sondern dokumentieren einen performativen Akt. Das Malwerkzeug, der Autoreifen, ist so schwer und unhandlich, dass ein kontrollierter Farbauftrag unmöglich ist. Die aus dem Kampf gegen den Widerstand des Werkzeugs entstehenden Wechsel von Schärfe zu Unschärfe, von sattem Farbauftrag zu fast unsichtbaren Spuren rhythmisieren die Redundanz der Form.

Works

Walter Dahn
WHITE PAINTINGS I

2015, acryl and gouache on canvas
170 × 130 cm
Courtesy: Sprüth Magers

Walter Dahn
WHITE PAINTINGS II

2015, acryl and gouache on canvas
170 × 130 cm
Courtesy: Sprüth Magers

Walter Dahn
WHITE PAINTINGS III

2015, acryl and gouache on canvas
170 × 130 cm
Courtesy: Sprüth Magers

Walter Dahn
WHITE PAINTINGS IV

2015, acryl and gouache on canvas
170 × 130 cm
Courtesy: Sprüth Magers

Walter Dahn
Midnight Confession III

2015, acryl and gouache on fabric
140 × 60 cm
Courtesy: Sprüth Magers

Max Frintrop
Untitled (Buddy Rich)

2015, ink, indian ink, pigment, acrylic and laquer on canvas
200 × 150 cm
Courtesy: Berthold Pott Galerie, Köln

Max Frintrop
Untitled (Piú Forte Raggazi)

2015, ink, indian ink, pigment, acrylic and laquer on cotton
200 × 150 cm
Courtesy: Berthold Pott Galerie, Köln

Béla Pablo Janssen
Untitled (Le Soleil Se Lève Derrière L’Abstraction, V)

2015, acryl on canvas, wooden frame
and silk print on canvas behind glass
200 × 140 cm
Courtesy: Jeanroch Dard, Paris, Brussels

Béla Pablo Janssen
Untitled (Le Soleil Se Lève Derrière L’Abstraction, VII)

2015, acryl on canvas, wooden frame
and canvas behind glass
200 × 140 cm
Courtesy: Jeanroch Dard, Paris, Brussels

Béla Pablo Janssen
Untitled (Le Soleil Se Lève Derrière L’Abstraction, XVII)

2015, acryl on canvas, wooden frame
and silk print on canvas behind glass
200 × 140 cm
Courtesy: Jeanroch Dard, Paris, Brussels

Mike Meiré
Ascort

2014, laquer on canvas
202 × 142 cm
Courtesy: Bartha Contemporary, London

Mike Meiré
Mercury

2014, laquer on canvas
212 × 152 cm
Courtesy: Bartha Contemporary, London

Mike Meiré
Cobra

2014, laquer on canvas
212 × 152 cm
Courtesy: Bartha Contemporary, London